Freie Trauung

Freie Trauung: die Alternative zur traditionellen Hochzeit

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Heiraten ja, Kirche nein – immer mehr Paare entscheiden sich für eine freie Trauung, die ganz nach ihren persönlichen Vorstellungen und Wünschen abläuft. Hier erfährst du, was es mit dieser immer beliebter werdenden Hochzeitsform auf sich hat, wie eine freie Trauung ablaufen kann und für wen sie ideal ist.

Heutzutage geben sich deutlich weniger Paare ihr Eheversprechen in der Kirche. In den 80er-Jahren hatten rund die Hälfte aller Paare neben der obligatorischen standesamtlichen Eheschließung auch eine kirchliche Zeremonie. Im Jahr 2015 entschieden sich dagegen nur noch 22 Prozent der Brautleute für eine Trauung mit katholischem oder evangelischem Bezug. Dies mag daran liegen, dass es inzwischen deutlich mehr Möglichkeiten gibt, um der eigenen Hochzeit eine feierliche und romantische Note zu verleihen. Eine freie Trauung lässt viel Spielraum für die eigene Interpretation von Romantik und Zuneigung, aber auch Location, Redner und Dekoration sind völlig frei wählbar – es handelt sich dabei um einen rein symbolischen Akt, der so schön wie möglich gestaltet werden kann.

Freie Trauung: Definition und Konzept

Wie der Name schon sagt: Eine freie Trauung ist frei von festgelegten Traditionen, Konventionen und somit auch frei von den Vorgaben der Kirche. Es handelt sich um eine rein symbolische Zeremonie, die das Paar völlig frei gestalten kann. Daher nicht verwechseln: Wer in Deutschland rechtsgültig heiraten will, muss die Ehe immer von einem Standesbeamten vollziehen lassen. Die freie Trauung hat keinerlei rechtliche Relevanz – kann aber eine wunderbare und romantische Ergänzung zu der oft etwas trockenen Trauung auf dem Amt sein. Und vor allem: Jedes Paar kann sie frei nach seinen Vorstellungen gestalten.

Freie Trauung
©CasarsaGuru/ iStock

Mit oder ohne Redner?

Wenn du dich für eine freie Trauung interessierst, solltest du dir zunächst Gedanken darüber machen, ob du einen Redner engagieren möchtest. Schließlich muss bei dieser nicht rechtsverbindlichen Trauung kein freier Theologe oder Hochzeitsredner dabei sein. Allerdings hat das Engagement eines professionellen Redners einige Vorteile: Er oder sie kann das Paar in den Vorbereitungen unterstützen und der Trauung einen klaren und geregelten Ablauf bieten.
Da es inzwischen ein großes Angebot an Dienstleistern gibt, die als Hochzeitsredner engagiert werden können, solltest du dir Zeit nehmen, um einen seriösen und vor allem sympathischen Redner zu finden. Denn nicht nur bei Standesbeamten und Theologen, sondern auch bei freien Traurednern gibt es große stilistische Unterschiede: Während manche eine ernsthafte Trauung vollziehen, gibt es inzwischen auch Sprecher, die eher die Unterhaltung der Hochzeitsgesellschaft in den Vordergrund stellen.

Freie Trauung
Auch Freunde können natürlich eine Hochzeitsrede übernehmen. ©jacoblund/ iStock

Der Preis für eine freie Trauung

Die Antwort “Das kommt ganz drauf an” ist unbefriedigend, trifft aber hier voll und ganz zu: Es kommt beim Preis für eine freie Trauung tatsächlich auf die Wünsche und Vorstellungen des Hochzeitspaars an – danach richtet sich auch der zu betreibende Aufwand von Mitwirkenden wie dem Trauredner. Nicht nur Location, Dekoration und Dienstleistungen müssen bezahlt werden, auch die Person, die letztlich durch die Zeremonie führt, wird einen eigenen Preis für die Leistung fordern. Ein unverbindliches Erstgespräch mit einem Redner ist meist kostenlos. Sollen seine oder ihre Dienste in Anspruch genommen werden, kostet ein erfahrener Profi heutzutage zwischen 700 und 800 Euro. Im Preis inbegriffen sollten sein:
• Detailgespräch, oft auch “Interview” genannt, in dem die gewünschten Inhalte der Rede besprochen werden und das Paar dem Hochzeitsredner etwas von sich und seiner Liebe erzählt

  • das Schreiben der Rede
  • die freie Trauung selbst
  • ggf. Fahrtkosten; leben Redner und Paar in derselben Stadt, werden oft keine Fahrtkosten veranschlagt; muss er längere Strecken zurücklegen, wird oft eine zusätzliche Fahrtpauschale veranschlagt

Tipp:
Musst du etwas auf das Budget achten, ist es ratsam, wortgewandte Freunde oder Verwandte zu fragen, ob sie sich den Job des Trauredners zutrauen. Immerhin kennen sie dich und deinen Partner am besten und können die Zeremonie mit persönlichen Anekdoten und romantischen Erinnerungen bereichern.

Vorbereitung auf eine freie Zeremonie

Ralf Elcheroth ist freier Theologe und bietet die Durchführung von freien Trauungen an. Für ihn ist es wichtig, dass die Chemie auf beiden Seiten stimmt. “Die Gespräche sind zum Teil sehr persönlich, da muss einfach Vertrauen da sein.” Erst nach einem Kennenlernen fangen die wirklichen Vorbereitungen an. Gemeinsam werden die Eckpunkte der Zeremonie festgelegt, zudem wird die Rede besprochen, die der freie Theologe für das Ritual der Eheschließung schreibt. Ralf Elcheroth lässt das Paar zwar die Richtung mitbestimmen, aber den finalen Text bekommen sie vorher nicht zu lesen. “Das soll schon noch eine Überraschung sein.”

Beispiel einer freien Trauung - außerhalb des Standesamtes oder der Kirche.
Das große Plus der freien Trauung: Die Gestaltung der Zeremonie bleibt vollständig Ihnen überlassen.

Freie Trauung: Rituale sind erlaubt

“Viele Rituale aus den kirchlichen Trauungen haben eine starke symbolische Bedeutung und können auch in der freien Trauung wundervoll eingesetzt werden. Ich hatte schon muslimische, orthodoxe und katholische Riten”, erklärt der Hochzeitsredner.

Mögliche Rituale sind:

  • Ringtausch, alternativ auch mit anderen Symbolen wie einer Kette oder einem Armband
  • Ehegelübde mit persönlichen Worten von Braut und Bräutigam
  • gemeinsam gesungene Lieder
  • Segnung des Paares
  • Traukerze anzünden
  • Luftballons steigen lassen
  • gemeinsam einen Baum pflanzen

“Jede noch so abwegige Idee schaue ich mir an”, erklärt Trauredner Ralf Elcheroth. “Ich sehe meine Aufgabe darin, die Trauung so zu gestalten, dass sie perfekt zu dem Brautpaar passt. Ich finde also eine Lösung, zu egal welchem Vorschlag. Wenn ein Paar sein Versprechen mit einem Schnaps besiegelt oder am Ende der Zeremonie mal ein Bierfass angeschlagen wird, ist mir nur wichtig, dass es zu dem Paar passt.”

Eine freie Trauung kann so gut wie überall stattfinden

Bei einer freien Zeremonie bist du anders als bei der standesamtlichen oder kirchlichen Trauung nicht an einen bestimmten Ort gebunden – Paare können sich praktisch überall symbolisch das Jawort geben. Ob am Strand in Thailand, im eigenen Garten, auf einem Boot auf der Spree oder in jenem Biergarten, in dem man sich einst kennengelernt hat – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Für viele Paare ist die freie Trauung auch die ideale Ergänzung zu Standesamt und Kirche und damit ein guter Kompromiss für Hochzeitsgäste mit unterschiedlichen Auffassungen zum Thema Hochzeit und Tradition. Es ist übrigens nicht ungewöhnlich, dass Paare erst standesamtlich heiraten und sich dann sowohl frei als auch kirchlich trauen lassen, damit sowohl ihre Wünsche als auch die der Familie berücksichtigt werden.

Da heiraten, wo andere Urlaub machen.
Vielleicht einfach die Urlaubsoase zur Hochzeitslocation machen? Bei der freien Trauung ist alles möglich.

Wenn dir also das standesamtliche Jawort zu unemotional ist und/oder du eine Alternative zur kirchlichen Heirat suchst, bietet die freie Trauung vielleicht genau das Richtige: So kann das Liebesbekenntnis ganz individuell im festlichen Rahmen stattfinden.

Headerbild: ©wundervisuals/ iStock