Kinder fotografieren

Mit Kind und Kamera

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Kinderfotografin Stefanie Aumiller erzählt von Gummibärchen in der Kameratasche und warum ihre kleinen Models manchmal knifflige Aufgaben lösen müssen. Die besten Tipps für tolle Kinderfotos gibt’s obendrein.

KARTENMACHEREI: Kinder vor der Linse – wie sieht für Sie das perfekte Kinderfoto aus?

STEFANIE AUMILLER: Authentisch und nicht gestellt. Das funktioniert am besten, wenn das Kind ganz natürlich ist, sich nicht beobachtet fühlt und sich nicht auf die Kamera konzentriert.

KARTENMACHEREI: Kriege ich das auch als Hobby-Fotograf hin? Wie?

STEFANIE AUMILLER: Am einfachsten ist es, die Kinder im Alltag zu beobachten, wenn sie mit irgendeiner Sache beschäftigt sind. Am besten funktioniert’s, wenn man sie einfach machen lässt. Im Vorfeld kann man sich natürlich Szenen überlegen: Plätzchen backen zum Beispiel oder einfach mit ihren Spielsachen spielen lassen. So lassen sich die besten Portraits einfangen. Hinstellen und sagen: „Lach mal!“ Das klappt meistens nicht so gut.

KARTENMACHEREI: Was sind die wichtigsten Voraussetzungen für gelungene Kinderfotos?

STEFANIE AUMILLER: Man sollte ein Kind zu nichts zwingen. Wenn es erst einmal keine Lust hat, muss man flexibel sein. Kürzlich bei einem Fotoshooting mit mehreren Kindern, versteckte sich ein Mädchen zum Beispiel immer hinter dem Vorhang. Dann lässt man es eine Weile zusehen, was da eigentlich passiert. Als es gesehen hat, was die anderen so machen, kam es von ganz alleine dazu. Außerdem mache ich dann Komplimente, sage, dass ich es sehr schade finde, dass es nicht mitmacht. Das klappt meistens.

KARTENMACHEREI: Erst wenige Bilder geschossen und die Protagonisten haben keine Lust mehr: Wie halten Sie Ihre Models bei der Stange?

STEFANIE AUMILLER: Bei manchen Fotoshootings habe ich eine Kinderanimateurin dabei, die dann in der Nähe der Kameralinse oder über meinem Kopf lustige Dinge macht. Manchmal stelle ich kleine Figürchen auf das Objektiv. Das sorgt immer für Lacher. Bei Aufnahmen im Wald habe ich den Kindern Aufgaben geben, zum Beispiel: Wer kann am schnellsten über den Ast hüpfen? Wer kann am besten auf dem umgestürzten Baum balancieren? Wer findet das tollste Versteck?

KARTENMACHEREI: Was haben Sie beim Fototermin außer Ihrem Kameraequipment immer dabei?

STEFANIE AUMILLER: Eine Tüte Gummibären als kleine Belohnung.

KARTENMACHEREI: Wie lange dauert ein professionelles Fotoshooting mit Kindern?

STEFANIE AUMILLER: Das kommt darauf an. Immer gilt: Wir fotografieren circa zehn Minuten und machen dann eine Pause. Und: Das wichtigste Bild mache ich gleich am Anfang. Die ersten Bilder müssen sitzen. Außerdem warte ich nicht darauf, wann der beste Blick kommt, sondern drücke öfter ab. Beim Durchsehen der an die 2000 Kinderbilder im Anschluss ist da oft ein Glückstreffer dabei.

KARTENMACHEREI: Mit oder ohne Eltern?

STEFANIE AUMILLER: Ich schicke die Eltern während des Fotografierens raus. Die haben damit auch kein Problem. So agieren die Kinder eigenständiger, sind weniger abgelenkt und sagen seltener: „Ich mag nicht mehr.“

„Hinstellen und sagen: ‚Lach mal!’ Das funktioniert meistens nicht.“

KARTENMACHEREI: Was ist der perfekte Ort, um Kinder zu fotografieren?

STEFANIE AUMILLER: Zu Hause, in gewohnter Umgebung oder während sie einer Beschäftigung nachgehen.

KARTENMACHEREI: Sie fotografieren nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Vergleichen Sie mal: Wer sind die besseren Modelle?

STEFANIE AUMILLER: Das kommt auf den Charakter an. Manche machen perfekt mit, manche haben am Shooting-Termin einen schlechten Tag – egal, ob Erwachsener oder Kind. Es ist auf jeden Fall spannender, mit Kindern zu arbeiten. Was wird passieren? Ich finde es toll, ein Foto entstehen zu lassen.

KARTENMACHEREI: Was heißt das?

STEFANIE AUMILLER: Oft schlichte, ungeplante Momentaufnahmen, entpuppen sich beim anschließenden Durchsehen als die besten Bilder. Einmal fotografierte ich eine Familienszene vor dem Fernseher. Der Bub ging in seiner Rolle voll auf, sprang in die Luft und jubelte, als wäre beim Fußball das entscheidende Tor gefallen. So etwas kann man selten planen.

KARTENMACHEREI: Welche Posen beherrschen die meisten Kinder aus dem Effeff?

STEFANIE AUMILLER: „Schau mal so komisch, wie du kannst.“ Nach diesem Satz kommen oft sehr witzige Grimassen.

KARTENMACHEREI: Vielen herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Stefanie Aumiller arbeitet seit 2002 als selbstständige Fotografin in München. Spezialisiert auf People- und Lifestyle-Fotografie, lebt sie ihr Motto: „Den wahren Augenblick erkennen und authentisch abbilden, das treibt mich an.“